Finanzierung · 28. August 2026

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Start-up ARCSPACE sammelt über 2 Millionen Euro für orbitales Servicing von Satelliten

Two businessmen shaking hands outside an office building
Vitaly Gariev / Unsplash

Das Pariser Raumfahrt-Start-up ARCSPACE hat eine Finanzierungsrunde über mehr als 2 Millionen Euro abgeschlossen. Das Geld soll dazu dienen, eine Technologie zum Schweißen und Schneiden per Elektronenstrahl für den Einsatz im Weltraum zu qualifizieren. Ziel ist es, Satelliten, die bisher nicht für Wartungsarbeiten ausgelegt waren, instand zu setzen oder zu modifizieren.

Die Technologie von ARCSPACE nutzt einen kompakten Elektronenstrahl mit hoher Energie, um Materialien im Vakuum zu schneiden, zu verbinden und zu schweißen. Bisherige Verfahren dieser Art müssen für die extremen Bedingungen des Weltraums – darunter starke Vibrationen beim Start, extremes Vakuum und Temperaturschwankungen – angepasst und miniaturisiert werden. Die Lösung soll zudem ohne direkte menschliche Eingriffe funktionieren.

Laut Guillaume Mohara, CEO und Mitgründer von ARCSPACE, folgt die Raumfahrtindustrie bisher einem Einwegmodell: Fällt ein Satellit aus oder geht ihm der Treibstoff aus, geht ein mehrere hundert Millionen Euro teures Gerät verloren. ARCSPACE will dieses Problem lösen, indem es Satelliten, die nie für Wartung konzipiert wurden, zugänglich macht. Die Technologie ermöglicht es, physische Schnittstellen an bestehenden Satelliten zu schaffen oder zu verändern, statt auf eine bereits bei der Herstellung integrierte Lösung angewiesen zu sein.

Die Finanzierungsrunde wurde von DEPO Ventures über den Fonds DEPO Ventures One angeführt. Weitere Investoren sind SCE Freiraum Ventures, IRDI Capital Investissement sowie ein Netzwerk französischer Business Angels. Petr Šíma, Partner bei DEPO Ventures, betont, dass die Lösung von ARCSPACE das Risiko für orbitale Infrastrukturen verringern und deren Widerstandsfähigkeit stärken könne.

Der Markt für orbitales Servicing, also Wartungs- und Reparaturdienstleistungen im All, wird auf mehrere Dutzend Milliarden Euro geschätzt. Laut dem European Space Policy Institute könnten die weltweiten Umsätze im Bereich On-Orbit Servicing, Assembly and Manufacturing (OSAM) bis 2030 zwischen 5,1 und fast 7 Milliarden US-Dollar liegen. Bisher ist der Markt jedoch noch nicht ausgereift. Erste kommerzielle Missionen wie die MEV-Missionen von Northrop Grumman haben jedoch bereits gezeigt, dass sich die Verlängerung der Lebensdauer von Satelliten wirtschaftlich lohnen kann.

ARCSPACE hat bereits Interesse von mehr als einem Dutzend kommerzieller Unternehmen geweckt und arbeitet mit Organisationen wie dem CNES, der ESA und dem European Defence Fund zusammen. Die Technologie könnte auch mit anderen Akteuren wie ASTROSCALE kooperieren, die an Fähigkeiten für Annäherung, Inspektion und Docking arbeiten – eine Voraussetzung für Wartungsmissionen.

Neben ARCSPACE forschen auch andere Unternehmen an ähnlichen Lösungen. Im Mai 2024 führten das US-Unternehmen ThinkOrbital und das britische TWI das erste autonome Schweißen per Elektronenstrahl im Weltraum durch. ARCSPACE plant für 2027 eine autonome Schweißoperation von über 100 Sekunden Dauer. Die Branche steht jedoch noch am Anfang einer neuen Wertschöpfungskette, die über reine Schweißtechnik hinausgeht.

FrenchWeb berichtete über die Finanzierungsrunde.