Produkt · 27. August 2026
OpenAI entwickelt KI-Agenten für alle – doch wird sie auch jeder nutzen?
OpenAI hat mit ChatGPT Work eine neue Software eingeführt, die KI-Agenten für Büroanwendungen nutzbar machen soll.
Das Unternehmen setzt damit auf eine Strategie, bei der große Sprachmodelle nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig komplexe Aufgaben in digitalen Arbeitsabläufen übernehmen. ChatGPT Work ist bereits für 20 US-Dollar pro Monat im günstigsten Abo von OpenAI verfügbar und richtet sich an Berufstätige wie Buchhalter, Investoren oder Ärzte, deren Arbeit stark von Computernutzung geprägt ist.
Die Software basiert auf dem bestehenden Codex-Tool von OpenAI, das ursprünglich für Programmierer entwickelt wurde. Jetzt soll es auch Nicht-Entwicklern zugutekommen, indem es ihnen ermöglicht, KI-Agenten für mehrstufige Projekte einzusetzen. Thibault Sottiaux, Leiter der Produktentwicklung bei OpenAI, betonte, dass die Technologie nun „komplette, sehr komplizierte Aufgaben“ autonom und sicher erledigen könne. „Es ist die Mission von OpenAI, jeden mitzunehmen“, erklärte er gegenüber TechCrunch.
Laut einer von OpenAI unterstützten Studie nutzten im Juni 98 Prozent der eigenen Mitarbeiter das Codex-Tool, während nur 17 Prozent der Unternehmensabonnenten und weniger als ein Prozent der Privatabonnenten darauf zurückgriffen. Diese Diskrepanz zwischen interner und externer Nutzung stellt sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance für das Unternehmen dar.
Die Entwicklung von KI-Agenten erfordert laut OpenAI-Ingenieuren eine spezielle „Halterung“ – eine Softwareumgebung, die den Zugriff auf Informationen, Werkzeuge und die Darstellung von Ergebnissen steuert. Während Entwickler bereits von Kommandozeilen-Schnittstellen profitieren, müssen Lösungen für Nicht-Programmierer intuitiver gestaltet sein, um breite Akzeptanz zu finden.
Andrew Ambrosino, leitender Ingenieur für die Desktop-App von OpenAI, erklärte, dass die neuen Funktionen „mit der unordentlichen Welt deiner Tools und Websites“ interagieren müssten, die oft veraltet seien. Er verwies darauf, dass Produkte wie Claude Code und Codex bereits „Vibe Coding“ ermöglichten, indem sie die eigentliche Programmierung hinter einer einfachen Aufforderung verbergen. OpenAI strebe nun an, ähnliche Funktionen für andere Berufsgruppen zugänglich zu machen.
Die kommerzielle Bedeutung dieser Entwicklung liegt auf der Hand: Je länger KI-Agenten arbeiten, desto mehr Rechenleistung verbrauchen sie – und desto höher sind die Einnahmen für OpenAI pro Nutzer. Die Erschließung neuer Berufsfelder ist daher entscheidend, um die massiven Investitionen in Training und Rechenleistung zu rechtfertigen. Während sich KI-Labore bisher auf Softwareentwickler konzentrierten, setzen vertikalspezifische Wettbewerber wie Harvey (für Rechtsberufe) oder Clay (für Vertrieb) auf modellunabhängige Ansätze.
Branchenanalysten wie Christian Catalini von a16z warnen jedoch, dass OpenAI und seine Konkurrenten schnell die notwendigen ergänzenden Ressourcen erschließen müssten, um KI im Markt zu skalieren. Andernfalls könnte der Wert an anderer Stelle entstehen.
Innerhalb von OpenAI gibt es interne Debatten darüber, wie viel Handhabung die Nutzer benötigen. Einige Mitarbeiter argumentieren, dass eine Schaltfläche überflüssig sei, wenn Nutzer die KI direkt auffordern könnten. Ambrosino betonte jedoch, dass ohne benutzerfreundliche Produkte wie ChatGPT Work selbst Experten zwar ähnliche Ergebnisse erzielen könnten, aber eine Milliarde Menschen die Technologie nicht nutzen würden.
TechCrunch berichtete über diese Entwicklungen.