Produkt · 1. September 2026

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DNV-Forscher warnt vor sinkender Ölnachfrage für Norwegen durch anhaltende Krise im Persischen Golf

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Vooglam Eyewear / Unsplash

Forschungsleiter Sverre Alvik von DNV hat vor einer anhaltenden Risikolage für die norwegische Ölindustrie gewarnt. Grund dafür ist die länger als erwartet andauernde Krise im Persischen Golf, die durch den Konflikt zwischen Iran und Israel ausgelöst wurde. Diese Situation könnte zu einer dauerhaften Senkung der Ölnachfrage führen, da die hohen Ölpreise und eingeschränkte Verfügbarkeit die Elektrifizierung des Verkehrs beschleunigen.

Die aktuelle Blockade der Straße von Hormus, einer wichtigen Handelsroute für Öltransporte, hat bereits zu einer spürbaren Verknappung von Öl aus dem Nahen Osten geführt. Alvik betont, dass viele Länder ihre Fahrzeugflotten schneller elektrifizieren als ursprünglich angenommen, was die Ölnachfrage zusätzlich belasten könnte. Er verweist auf eine „dauerhafte Veränderung“ der Nachfrage, die sowohl wirtschaftliche als auch psychologische Gründe hat. Viele Verbraucher und Unternehmen wollen sich nicht länger von einer Ressource abhängig machen, deren Verfügbarkeit plötzlich eingeschränkt sein kann.

Unterdessen planen Equinor, Aker BP und Vår Energi ein gemeinsames Vorhaben zur verstärkten Öl- und Gasexploration auf dem norwegischen Kontinentalsockel. Ziel ist es, den erwarteten Produktionsrückgang zu bremsen. Das norwegische Direktorat für den Kontinentalsockel (Sokkeldirektoratet) geht in seinem Basisszenario von einer mehr als 50-prozentigen Reduzierung der Öl- und Gasproduktion bis 2050 aus. Allerdings sind die Prognosen mit Unsicherheiten behaftet: In einem optimistischen Szenario könnte die Produktion bei 65 Prozent des heutigen Niveaus liegen, während sie in einem pessimistischen Szenario auf etwa fünf Prozent sinken könnte.

Alvik unterstreicht, dass zwischen Öl und Gas unterschieden werden muss, wenn es um Norwegens Exportchancen geht. Norwegisches Gas, das über Pipelines nach Europa geliefert wird, bleibt laut Alvik eine sichere und klimafreundlichere Alternative im Vergleich zu verflüssigtem Erdgas, das per Schiff transportiert wird. Norwegen werde daher auch in den kommenden Jahrzehnten ein bevorzugter Lieferant für europäische Gasimporte bleiben. Bei Öl hingegen fehlen solche Vorteile. Norwegen konkurriert auf einem globalen Markt, in dem klimatische oder sicherheitspolitische Vorteile kaum noch eine Rolle spielen.

Die anhaltende Schließung der Straße von Hormus verschärft die Risiken für die norwegische Ölindustrie zusätzlich. Alvik warnt, dass jede weitere Woche der Blockade die langfristige Nachfrage nach Öl weiter schwächen könnte. Gleichzeitig betont er, dass viele Öl- und Gasfelder in Norwegen beide Ressourcen enthalten. Sollte bei der Exploration Öl zusammen mit Gas gefunden werden, könnte dies trotz der Risiken wirtschaftlich sinnvoll sein. Reine Ölfelder hingegen gelten zunehmend als riskant, insbesondere vor dem Hintergrund der ungewissen Dauer der aktuellen geopolitischen Krise.

Alvik geht davon aus, dass die weltweite Ölnachfrage ihren Höhepunkt bald erreichen wird. Er verweist darauf, dass 50 Prozent des globalen Ölverbrauchs auf den Straßenverkehr entfallen und die Elektrifizierung dieser Sektoren rapide voranschreitet. Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte in ihrem jüngsten Bericht ebenfalls Szenarien aufgezeigt, in denen der Ölverbrauch bis 2030 stagniert oder sogar bis 2050 weiter steigt – abhängig von der politischen Entwicklung. Sollte die aktuelle Krise im Persischen Golf länger anhalten, könnte der Höhepunkt der Ölnachfrage jedoch bereits in den kommenden zwei Jahren eintreten.

E24 berichtete über die Warnung von DNV und die geplanten Explorationsprojekte der norwegischen Ölkonzerne.