Expansion · 23. August 2026
Bauwirtschaft in der Krise: Unternehmen verkaufen Maschinen, um Löhne zahlen zu können
Die Bauwirtschaft in Norwegen steckt in einer tiefen Krise, wie mehrere Branchenvertreter bestätigen.
Laut Fagsjef Sverre Huse-Fagerlie vom Maskinentreprenørenes Forbund (MEF) verkaufen zahlreiche Unternehmen Baumaschinen, um die Lohnzahlungen aufrechterhalten zu können. Er beschreibt die Lage als dramatisch und betont, dass viele Betriebe am Rande der Insolvenz operieren. Huse-Fagerlie führt an, dass sich die Marktlage im vergangenen Jahr weiter verschlechtert habe, wobei die Situation regional unterschiedlich ausfalle. Während einige größere Projekte bei großen Auftragnehmern noch Aufträge generieren, fehle es in vielen Regionen an Arbeit.
Das Byggmesterforbund meldet, dass viele Mitgliedsbetriebe vor der Schließung stehen. Harald Hansen, der Geschäftsführer des Verbands, warnt insbesondere vor den Risiken für Handwerksbetriebe in Nordnorwegen, wo Fachkräftekompetenz verloren gehen könnte. Er verweist darauf, dass viele Unternehmen nicht in Konkurs gehen, sondern mangels Aufträgen einfach ihre Tätigkeit einstellen.
Analysesjef Morten Trasti von Intrum berichtet, dass die Zahl der Insolvenzen in der Bau- und Anlagbranche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9 Prozent gesunken ist. Gleichzeitig seien die Inkassofälle um 8 Prozent zurückgegangen, während die Zahlungsausfälle stabilisiert hätten. Trasti betont jedoch, dass diese Entwicklungen nicht zwangsläufig auf eine verbesserte Rentabilität hindeuten. Vielmehr könnte die geringere Anzahl an Unternehmen und Aktivitäten zu dieser Statistik beitragen. Die ausstehenden Forderungsbeträge lägen auf dem Niveau des Vorjahres, nachdem sie zuvor deutlich gesunken waren.
Huse-Fagerlie vom MEF gibt an, dass die Insolvenzen der letzten Zeit tendenziell größer geworden seien, gemessen an der Anzahl der Beschäftigten und dem Umsatz. Er führt dies auf neue regulatorische Anforderungen zurück, etwa die energikartleggingsforskrift des NVE ab Oktober, die viele Mitgliedsbetriebe beträfe. Zudem stehe eine mögliche Einführung von Mindestemissionsstandards für öffentliche Gebäude zur Diskussion, was zusätzliche Berichtspflichten mit sich bringe.
Das Byggmesterforbund führte im Frühjahr eine Umfrage unter seinen Mitgliedern durch, die zeigte, dass die Aktivität in weiten Teilen des Landes nach wie vor gering ist. Lediglich im Westen des Landes, insbesondere in Rogaland, gebe es etwas mehr Bewegung. Hansen vom Verband warnt jedoch, dass die Auftragsreserven vieler Betriebe auf sechs Monate betrachtet kritisch niedrig seien. Zudem bestehe die Gefahr, dass Fachkräfte dauerhaft in andere Branchen abwandern, da der Arbeitsmarkt außerhalb der Bauwirtschaft aktuell stark sei.
Laut Boligprodusentene war der Verkauf von Neubauten im zweiten Quartal dieses Jahres der schwächste seit Beginn der Quartalsmessungen im Jahr 1999. Die Anzahl der Baubeginne stieg zwar um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, das jedoch auf extrem niedrigem Niveau lag. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 44 Prozent weniger Wohnungen gebaut worden als benötigt.
Nina Solli, Geschäftsführerin von NHO Byggenæringen, die rund 3350 Unternehmen in 13 Branchen vertritt, bestätigt die düstere Lage. Sie verweist auf eine Umfrage, in der die Bewertung der aktuellen Marktsituation und der Zukunftsaussichten seit 51 Monaten in Folge schlechter ausfällt als im Rest der Wirtschaft. Solli betont, dass die Bauwirtschaft trotz rückläufiger Insolvenzzahlen weiterhin stark belastet sei und warnt vor den Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette, sollte der Markt nicht bald wieder anziehen.
According to E24, ...