Expansion · 30. August 2026

Isländer zahlen neun Prozent Wohnungsbauzinsen – Debatte über EU-Beitritt vor Volksabstimmung

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Ben White / Unsplash

Ein isländisches Paar zahlt nun neun Prozent Zinsen für seinen Wohnungsbaukredit. Die Erhöhung folgte auf die Anhebung des Leitzinses durch die isländische Zentralbank auf acht Prozent in der vergangenen Woche.

Die Inflation in Island lag im Juli bei 5,3 Prozent, wie der Chefökonom der Íslandsbanki, Jón Bjarki Bentsson, mitteilte. Er bezeichnete die Inflation als die größte wirtschaftliche Herausforderung des Landes. Die isländische Wirtschaft sei so klein, dass bereits ein einzelnes Ereignis oder ein einzelnes Unternehmen spürbare Auswirkungen haben könne. Bentsson betonte, dass die Debatte über einen möglichen EU-Beitritt Islands stark von der Frage der Währungsunion geprägt sei. Viele Isländer erwarten, dass die Einführung des Euro zu niedrigeren Zinsen und mehr Wohlstand führen würde. Gleichzeitig räumte er ein, dass Unsicherheiten, Währungsrisiken und die Kosten für Unternehmen sinken könnten, wenn Island dieselbe Währung wie seine wichtigsten Handelspartner nutzen würde.

Am kommenden Samstag stimmt die Bevölkerung Islands darüber ab, ob das Land Verhandlungen über einen EU-Beitritt aufnehmen soll. Sollte die Ja-Seite die Mehrheit erhalten, würde es eine weitere Volksabstimmung geben, sobald ein möglicher Beitrittsvertrag ausgehandelt ist. Die Ja-Kampagne mit dem Motto „Ja, um zu sehen“ argumentiert, dass ein EU-Beitritt die wirtschaftliche Stabilität Islands stärken und das Land näher an Europa binden würde. Kritiker hingegen verweisen auf mögliche Verluste der Kontrolle über die Fischereiwirtschaft, die 20 Prozent der isländischen Exporte ausmacht, sowie auf Bedenken hinsichtlich der Souveränität. Sie betonen, dass ein kleines Land wie Island mit etwa 400.000 Einwohnern im EU-Rat kaum Einfluss haben würde.

Bentsson widersprach der Annahme, dass die isländische Krone die Hauptursache für die hohe Inflation sei. Die neuesten Analysen der Zentralbank zeigten, dass die Krone als Stabilisierungsmechanismus wirke. Die aktuelle Preissteigerung sei vielmehr auf externe Schocks wie den Ölpreisschock zurückzuführen. Zudem habe es in der Vergangenheit eine zu hohe Nachfrage sowie ein zu schnelles Lohn- und Kostenwachstum gegeben.

Mehr als 60 Prozent der Wohnungsbaukredite in Island sind inflationsindexierte Kredite, wie die isländische Wohnungsbaubehörde mitteilte. Bei diesen Krediten steigt die Kreditsumme automatisch mit der Inflation, während die monatlichen Zinsen niedriger ausfallen. Für viele junge Menschen sei dies die einzige Möglichkeit, Zugang zum Wohnungsmarkt zu erhalten, da die monatlichen Raten deutlich niedriger ausfallen. Allerdings wachse der Kredit mit der Inflation, was langfristig zu höheren Rückzahlungen führe.

Ein isländisches Paar, Helga Björg Thrastardóttir und Jòn Gudni Gudmundson, berichtete von den Auswirkungen der gestiegenen Zinsen. Thrastardóttir, die einen Festzinskredit hatte, sieht sich nun mit einer Verdopplung ihrer monatlichen Belastung konfrontiert: von etwa 147.000 isländischen Kronen auf rund 290.000 isländische Kronen. Sie erwog zwar einen Wechsel zu einem inflationsindexierten Kredit, entschied sich jedoch für die Sicherheit fester Raten. Gudmundson hingegen hat sich für einen inflationsindexierten Kredit entschieden, da er dadurch monatlich mehr Geld zur Verfügung hat.

Die Parlamentsabgeordnete María Rut Kristinsdóttir, Mitglied der liberalen Partei Viðreisn, die in der Regierung sitzt, nahm an einer öffentlichen Veranstaltung der Ja-Kampagne in Akranes teil. Die Partei setzt sich seit Langem für die geplante Volksabstimmung über den EU-Beitritt ein.

Berichtet von E24.